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Leere deinen Geist

Freiheit bedeutet, den Geist zu befreien, sich von der Last der anderen zu befreien, von ihren Methoden und Systemen, ihrer Akzeptanz von Autorität, ihren Überzeugungen und Hoffnungen. All das ist Teil des 'Ich'.1
Jiddu Krishnamurti

Im vorherigen Kapitel wurde bereits darauf eingegangen was zwischen dir und einem offenem Herzen steht. Dies soll nun in diesem Kapitel vertieft werden.

Eine Geschichte aus dem Zen:

Der japanische Meister Nan-in empfing einen Professor der Philosophie zu Besuch. Nan-in schenkte seinem Besucher Tee ein, doch als die Tasse voll war, goss er immer weiter. Der Professor sah zu, wie die Tasse überfloss, bis er nicht mehr an sich halten konnte: "Halt! Die Tasse ist schon übervoll, mehr geht nicht hinein!" Nan-in sagte: "Wie diese Tasse bist auch du voll von deinen eigenen Ansichten und Spekulationen. Wie soll ich dir Zen zeigen, bevor du nicht deine Tasse geleert hast?"

Wenn du bereits denkst zu wissen wie etwas ist, dann wird es schwierig sein offen dem gegenüber zu sein was wirklich ist, d.h. wie die Realität in diesem Moment ist. Du siehst die Realität dann durch eine gefärbte Brille. Du siehst die Dinge nicht wie sie sind. Du siehst nicht die leere Leinwand des Lebens die unendlich viele Möglichkeiten bietet. Du siehst alles durch die Augen deiner Vorurteile, Interpretationen, Ideen, Konzepte. Durch deinen Verstand, durch die Augen deines Egos.

Wenn du wirklich frei sein willst, musst du frei sein von all diesen Ideen über das Leben und über andere. Du musst ehrlich zu dir sein. Du musst dir eingestehen, dass du nichts weißt über diese Existenz, dieses Lebens. Du weißt nicht mit was du es zu tun hast.

Beobachte einmal Kinder. Kinder weinen, wenn sie weinen müssen. Kinder lachen, wenn sie lachen müssen. Sie bewerten ihr Verhalten nicht. Sie verstehen es häufig nicht einmal. Erinnere dich zurück daran wie du warst als du Kind warst.

Unterhalte dich mit Kindern. Du kannst schnell feststellen, dass Kinder dir einen ganz anderen Blick auf das Leben bieten können. Und anders als bei Erwachsenen, besteht hier die Möglichkeit, dass du weniger das Bedürfnis hast dein Wissen zu verteidigen.

Wenn du dich an die Geschichte aus dem Zen mit dem Professor der Philosophie erinnerst, wirst du sehen, dass alles was in deiner Tasse ist dich mehr und mehr von deinem offenen Herzen entfernt. Verwendest du deinen Verstand wirst du zwar immer mehr Antworten auf deine Fragen bekommen, aber auf jede Antwort von deinem Verstand werden weitere Fragen und Antworten folgen. Dein Herz aber hat immer nur die eine Antwort für dich: Die Wahrheit. Und diese Wahrheit wird dich befreien.

So wie es im großen Ozean nur einen Geschmack gibt, den Geschmack von Salz, so gibt es in dieser Lehre und Disziplin nur einen Geschmack, den Geschmack von Freiheit
Buddha2

Diese Lehre und Disziplin, von der Buddha hier spricht, wirst du nur in dir finden können. Nicht in deinem Verstand und dem Wissen das du dort findest, nicht in deinen Ideen und Konzepten vom Leben und nicht in den Worten und Schriften anderer.

Du wirst deine Tasse, deinen Verstand, deinen Geist, leeren müssen um wirklich offen dafür zu sein was ist.

Es stellt sich nun die Frage wie du diese Tasse eigentlich leeren kannst. Je nachdem wem du zuhörst, wirst du unterschiedliche Antworten auf diese Frage bekommen. Erinnere dich daran, dass ich sagte, dass der Weg für jeden Individuell ist, das Ziel aber am Ende immer das selbe. Der individuelle Weg ist das was in deiner Tasse ist, welche Farbe auf deiner Leinwand und wie du damit umgehst. Auch ist individuell was du auf deinem Weg entdecken wirst. Es gibt aber unterschiedliche Vehikel die du nutzen kannst um diesen Weg zu bereisen. Was passieren wird, was passieren muss auf dem bereisen dieses Weges ist, dass die Tasse leer werden muss, dass die Farbe auf der Leinwand verschwinden muss. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der einzige Weg der nachhaltig hilft, der Weg durch deine angestauten, ungelebten, unbewussten Emotionen ist. Wenn du diese Emotionen durchlebst und sie dir bewusst werden, wirst du anfangen können die Tasse zu leeren, wirst du die Farbe auf deiner Leinwand entfernen können. Du wirst dann frei sein und deine Wahrheit leben können.


  1. Mit 'Ich' ist hier das Ego gemeint; externer Link: J. Krishnamurti - Dialogue 17 with Allan W. Anderson in San Diego, California, 28 February 1974 Freedom means freeing the mind, emptying itself of the burdens of others, their methods and systems, their acceptance of authority, their beliefs and hopes. All that is part of the ‘me’. ↩︎

  2. Just as in the great ocean there is but one taste, the taste of salt, so in this Doctrine and Discipline there is but one taste, the taste of freedom ↩︎